Kurz gesagt: Eine 13-Wochen-Liquiditätsplanung zeigt Woche für Woche, wie viel Geld Ihr Unternehmen im nächsten Quartal haben wird. Für ein Schweizer KMU ist sie an einem Nachmittag erstellt und in 30 Minuten pro Woche aktualisiert – und sie ist das beste Frühwarnsystem gegen Liquiditätsüberraschungen durch MWST, Sozialversicherungsbeiträge, den 13. Monatslohn oder säumige Kunden.
Warum 13 Wochen?
Dreizehn Wochen sind ein Quartal. Kurz genug, um mit echten Daten zu planen – offene Rechnungen, Löhne, bekannte Zahlungen – und lang genug, um eine Liquiditätslücke kommen zu sehen, solange Sie noch handeln können: Debitoren mahnen, einen Kauf verschieben, mit der Bank sprechen oder Einstellungen anpassen. Jahresbudget und Erfolgsrechnung zeigen das nicht, weil Gewinn und Liquidität zu unterschiedlichen Zeitpunkten fliessen.
Was Sie vor dem Start brauchen
- Die heutigen Saldi aller Bankkonten und allfälliger Kreditlimiten
- Ihre offenen Kundenrechnungen mit Fälligkeitsdatum (Debitoren)
- Ihre offenen Lieferantenrechnungen mit Fälligkeitsdatum (Kreditoren)
- Ihren Lohnkalender inklusive Sozialversicherungsbeiträgen und 13. Monatslohn
- Wiederkehrende Kosten: Miete, Leasing, Software, Versicherungen
- Ihre Zahlungstermine für MWST, Sozialversicherungen und Steuern
- Ihre Verkaufspipeline für Neugeschäft, das Sie im Quartal fakturieren und einkassieren wollen
So erstellen Sie sie in sieben Schritten
1. Starten Sie mit dem effektiven Bankguthaben
Nehmen Sie den effektiven Saldo aller Konten am Montag der Woche 1, nicht die Zahl aus der Buchhaltung. Halten Sie die Kreditlimite separat fest – sie ist ein Puffer, kein Einkommen.
2. Planen Sie Kundenzahlungen nach dem effektiven Geldeingang
Setzen Sie jede offene Rechnung in die Woche, in der Sie realistischerweise mit der Zahlung rechnen – basierend darauf, wie dieser Kunde tatsächlich zahlt, nicht auf Ihren 30 Tagen Zahlungsfrist. Ergänzen Sie erwartete neue Rechnungen aus der Pipeline mit einem Sicherheitsabschlag.
3. Erfassen Sie Löhne und Sozialversicherungsbeiträge
Löhne sind meist Ihr grösster und am wenigsten flexibler Abfluss. Erfassen Sie die Arbeitgeberbeiträge an Sozialversicherungen und Pensionskasse in den Wochen, in denen sie effektiv bezahlt werden, und vergessen Sie den 13. Monatslohn nicht.
4. Erfassen Sie Lieferanten und wiederkehrende Kosten
Planen Sie offene Lieferantenrechnungen nach Fälligkeit ein und ergänzen Sie Miete, Leasing, Software-Abos und andere wiederkehrende Zahlungen. Jährliche Zahlungen wie Versicherungsprämien werden leicht vergessen und treffen hart.
5. Erfassen Sie die typisch schweizerischen Einmalzahlungen
MWST, Sozialversicherungsabrechnungen und Steuerraten kommen als grosse, unregelmässige Zahlungen. Sie sind die häufigste Ursache für Liquiditätsüberraschungen in sonst gesunden Schweizer KMU.
6. Erfassen Sie Finanzierung und Einmaliges
Kreditrückzahlungen und Zinsen, geplante Investitionen, Dividenden sowie erwartete Zuflüsse aus Eigenkapital oder Krediten.
7. Berechnen Sie den Endsaldo und setzen Sie ein Minimum
Anfangssaldo plus Einnahmen minus Ausgaben ergibt den Endsaldo jeder Woche, der zum Anfangssaldo der nächsten wird. Definieren Sie einen Mindestbestand – zum Beispiel einen Monat Löhne und Fixkosten – und markieren Sie jede Woche, die darunter fällt.
Grosse Zahlungen, die in Ihre Planung gehören
- MWST-Zahlungen
- Beiträge und Abrechnungen der Sozialversicherungen
- Beiträge an die Pensionskasse
- Der 13. Monatslohn
- Steuerraten
- Jährliche Versicherungsprämien
Fragen Sie Ihren Treuhänder nach den genauen Zahlungsterminen und Beträgen für Ihr Unternehmen und tragen Sie diese in die richtigen Wochen ein.
So bleibt sie aktuell: die Wochenroutine
- Ersetzen Sie jeden Montag die Planwerte der Vorwoche durch die Ist-Zahlen
- Analysieren Sie die Abweichungen: Welcher Kunde hat zu spät bezahlt, welche Kosten waren höher?
- Fügen Sie am Ende eine neue Woche 13 hinzu, damit Sie immer ein ganzes Quartal vorausschauen
- Handeln Sie bei jeder Woche, die unter Ihren Mindestbestand fällt
Häufige Fehler
- Zahlungsfristen statt des effektiven Zahlungsverhaltens verwenden
- Eingenommene MWST als verfügbares Geld betrachten
- Jährliche und quartalsweise Einmalzahlungen vergessen
- Die Planung einmal erstellen und nie aktualisieren
- Gewinn und Liquidität verwechseln
Häufige Fragen
Was ist eine 13-Wochen-Liquiditätsplanung?
Ein wochengenauer Plan der Ein- und Auszahlungen für das nächste Quartal, ausgehend vom heutigen Banksaldo. Er zeigt, ob und wann Ihrem Unternehmen das Geld knapp werden könnte.
Ist eine 13-Wochen-Planung dasselbe wie ein Budget?
Nein. Ein Budget plant Umsatz, Kosten und Gewinn für das Jahr. Eine 13-Wochen-Planung plant die Liquidität – wann Geld effektiv ein- und ausfliesst. Sie brauchen beides.
Kann ich sie in Excel erstellen?
Ja. Für die meisten KMU reicht eine gut strukturierte Tabelle. Entscheidend ist die wöchentliche Disziplin beim Aktualisieren, nicht das Werkzeug.
Brauchen Sie Unterstützung beim Aufbau?
Forecasting ist neben Zielsetzung und Planung eine der drei Säulen unserer Arbeit bei Gade Growth CFO Solutions. Wir bauen die 13-Wochen-Planung mit Ihnen auf und führen sie im Rahmen unserer CFO-Pakete weiter.